|
Das Rote Haus steht auf historischem Grund und ist von der aus dem 14. Jahrhundert stammenden historischen Burganlage Rockenberg umgeben.
An zwei Seiten sind die hohen Umfassungsmauern mit ihren runden Ecktürmen erhalten geblieben, während ein dritter Eckturm frei auf der Gegenseite steht. In der Mitte des Hofes befindet sich ein Wohnturm, der frühere Sperrgraben ist seit langem aufgefüllt. Das Kurmainzische Kellereigebäude, in dem sich das Restaurant Rotes Haus befindet, wurde 1719 an den Burgkomplex angebaut.
Auszug aus der Arbeit: "Die kurmainzischen Flecken Rockenberg und Oppershofen im 18. Jahrhundert" Rockenberg 2005
Herausgeber: Kultur- und Geschichtsverein Oppershofen e.V. Rockenberg 2005
Die Kellerei Rockenberg Der lediglich aus Rockenberg, Oppershofen, Ober- und Nieder-Mörlen bestehende kleine Distrikt war 1581 als Besitz der Grafschaft Königstein an das Erzstift Mainz gekommen. Es handelt sich um zwei Reichslehen, den „Mörler Grund“
38 und Rockenberg mit Oppershofen - ein Umstand, der noch in mainzischer Zeit durch das Bestehen zweier peinlicher Halsgerichte, eines für Ober- und Nieder-Mörlen und eines für Rockenberg samt Oppershofen,seine Spuren hinterlassen hat. Nach dem Stand von 1668 übte das Erzstift in den von Leibeigenschaft freien Orten sämtliche Hoheitsrechte aus.
Bis zur Ämterreform von 1782 wurde die Kellerei Rockenberg von einem Keller und einem Oberschultheißen verwaltet. Die Ämterreform von 1782 führte zur Ausgliederung des, von der Hauptmasse des vormaligen Oberamtes Königstein bzw. nunmehrigen Oberamts Höchst-Königstein isolierten, weit abgelegenen, nun mit Vilbel vereinigten und als Oberamtkellerei Vilbel, und Rockenberg organisierten Kellereidistrikts aus dem bisherigen Amtsverband.
An der Spitze des Sprengels stand nun ein, in der Folge mit dem Keller personengleicher, Amtsverweser. Für Rockenberg und dessen, um Ober-Wöllstadt erweiterte, Amtsorte, wo dem Erzstift alle Hoheitsrechte zustanden, wurde eine eigene Amtvogtei eingerichtet.
Nun nannte sich der frühere Amtskeller „Amtsvogt“.
39 Kurmainzische Kellereiverwaltung Als oberster Verwaltungsbeamter trat der Amtskeller auf, er wird auch als „Churmaintzischer Amtmann“ bezeichnet. Zu seinen Aufgaben gehörten neben Repräsentationsverpflichtungen auch die jährliche Überprüfung der verschiedenen Rechnungs- und Abgabenbücher, Rügenregister, Wald- und Markaufzeichnungen und vieles mehr.
Auch zeichnete er sich verantwortlich für die Sorge um landwirtschaftliche Belange, wie Zehntabgaben, Überwachung der Drei-Felder-Wirtschaft und die Durchführung des jährlich stattfindenden Bitzengerichtes.
Gleichzeitig war er das Bindeglied zwischen den Bürgern der vier Dörfer der Kellerei Rockenberg zum kurmainzischen Oberamt in Königstein. Für beide Gemeinden war ein Polizeidiener zuständig, der besser als Gerichtsknecht oder Büttel bekannt ist. Ebenso der Rockenberger „Speicherknecht“, der dem Amtskeller und Oberschultheißen beider Orte unterstand und für die Zehntscheunen in Rockenberg und Oppershofen sowie für den sog. „Burgspeicher“ zuständig war.
Churmainzischer Amtmann Der Amtsvogt war Repräsentant seines direkten Vorgesetzten, dem Oberamtmann in der Feste Königstein und vertrat dessen Interessen gegenüber den Dörfern der Kellerei Rockenberg.
In erster Linie aber hatte er die Aufgabe, die Pfründe seines Landesherrn, des Kurfürst-Erzbischofs von Mainz zu mehren und dessen „landesherrlichen“ Interessen treulich und gottesfürchtig zu erfüllen. Als erster Amtsvogt, der sich über die spärlichen Quellen ermitteln lässt, ist der Kellervogt Friedrich Georg Folz, der 1634 in der damaligen Kellerei in Butzbach (Kransberg) angestellt war und 1648 über die Zustände nach dem Dreißigjährigen Krieg in den beiden Dörfern berichtet. Unter seiner Aufsicht lässt Mainz 1653 in Rockenberg eine neue Zehntscheune errichten. Im Jahre 1655 ist er in Oppershofen an dem Wiederaufbau der 1635 verbrannten Kirche beteiligt. Auf seine Intervention hin stiftet die „gnädigste Herrschaft in Mainz“ hundert Stämme Eichenholz.
Über 30 Jahre später hören wir wieder von einem Kellervogt mit dem Namen „Folzen“, Bruno Emmerich Folz, vermutlich der Sohn des oben genannten, zumindest aber ein naher Verwandter. Bruno Emmerich Folz ist an dem Wiederaufbau der Zehntscheune in Oppershofen im Jahre 1681 beteiligt, die ebenfalls, wie die Kirche 1635 abgebrannt war.
Nun also, im Jahre 1681 wurde die heute noch existierende, unter dem Mainzer Kurfürst Anselm Franz Freiherr von Ingelheim Zehntscheune errichtet. In verschiedenen Waldrechnungen am Ende des 17. Jahrhunderts tauchte Bruno Emmerich Folz wieder auf und wird letztmalig 1694 in unterschiedlichen Aufzeichnungen genannt.

41 Zeichnung von E. Eckner Kellereigebäude von 1719 Die kurmainzische Verwaltung der Kellerei Rockenberg befand sich lange Jahre in Ober-Mörlen, bis durch ein Großbrand im Jahre 1716 der gesamte Ortskern von Ober-Mörlen eingeäschert wurde. Das Kellereigebäude, in dem auch der jeweilige Amtskeller mit seiner Familie wohnte, wurde hierbei ein Raub der Flammen.
Am 27. Juli 1716 brach das Feuer aus und innerhalb von zwei Stunden waren fast alle Gebäude samt Kirche und Rathaus verbrannt. Nach dem großen Brand stand der Kellereibeamte, Kammerrat Lothar Ignatius Vogt ohne Amtsgebäude und ohne Wohnung da. Er zog nun nach Rockenberg und von 1718 bis 1719 wurde auf dem Areal der Burg zu Rockenberg ein neues, repräsentatives Kellereigebäude erstellt.
42 Liste der Amtskeller und Amtsvögte der Kellerei Rockenberg (Kransberg – Butzbach) Im folgenden sollen in einer Liste die Amtskeller und Amtsvögte der Kellerei Rockenberg bzw. Kransberg oder Butzbach aufgezeigt werden, die einen Bezug zu Rockenberg und Oppershofen haben und in vorhergehendem Text Erwähnung finden.
Die angegebenen Jahreszahlen sind Nennungen in verschiedenen Kellereiakten und anderen Originaldokumenten Jakob Bauer Amtskeller der Kellerei Kransberg 1616 Alexander Erb Gerichtsschreiber der Kellerei Kransberg 1616 Friedrich Georg Foltz Amtskeller der Kellerei Kransberg bzw. Butzbach 1648, 1653, 1654, 1655 Johann Georg Ostheimer Amtskeller der Kellerei Kransberg bzw. Butzbach 1675 Bruno Emmerich Foltz Amtskeller der Kellerei Rockenberg (mit Sitz in Ober-Mörlen) 1676, 1681, 1694 Johann Jakob Stubenrauch (aus Mainz) späterer Kammerrat Amtskeller der Kellerei Rockenberg (mit Sitz in Ober-Mörlen) 1698 Amtskeller der Kellerei Hofheim 1720-1731 Lothar Ignatius Vogt 43 späterer Kammerrat Amtskeller der Kellerei Rockenberg (mit Sitz in Ober-Mörlen) 1699, Amtskeller der Kellerei Rockenberg (mit Sitz in Rockenberg ab 1716) 1722 Johann Anton Ernst Keytzmann 44 Amtskeller der Kellerei Rockenberg 1725, 1735 Johann Peter Lippert 45 Amtskeller der Kellerei Rockenberg 1750, 1752, 1754 Johann Neumann Amtskeller der Kellerei Rockenberg 1772, 1776 Wilhelm Beck 46 Amtsvogt der Amtsvogtei Rockenberg (seit 1782) 1783, 1809 38) Vgl. Küther, Waldemar, Die Mörler Mark, Ihre Vorgeschichte, Entstehung und Entwicklung, in: Wetterauer Geschichtsblätter, Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Bd. 19, S. 23-132.
39) Jürgensmeier, Friedhelm, (Hrsg.) Das Bistum Mainz, Von der Römerzeit bis zum II. Vatikanischen Konzil, S. 307 - HHStA Wi 330 IX, 13 fol. 292-301 (Rockenberg), 308-317 (Oppershofen), 319-336´´ (Obere- Mörlen) u. 151f (Nieder- Mörlen)
40) Vgl. Breitmoser, Manfred, 160 Jahre St, Laurentiuskirche Oppershofen, in: Oppershofen, Beiträge zur Ortsgeschichte, S. 51.
41) GA OP in GA RO Waldrechnungen und Bürgermeisterrechnungen.
42) Vgl. König, Karl Clemens und Möbs, Alois, 1200 Jahre Ober- Mörlen 790-1990, Ein fränkisches Reichsdorf im Wandel der Geschichte, Ober- Mörlen 1990, S. 284. Über den großen Brand, der 1716 ausbrach und Ober- Mörlen einächerte, berichtet Ph. Dieffenbach in „Urgeschichte der Wetterau“ folgendes: Am 27. Juli 1716 wurde ein großer Brand durch Kinder veranlasst. Die Leute waren gerade im Feld, als das Feuer ausbrach, der Wind das Feuer entfachte und schnell verbreitete. Innerhalb zweier Stunden waren alle Gebäude, dazu Kirche und Rathaus verzehrt, und nur die drei Pforten und außerdem noch drei Häuser blieben verschont. Viele Menschen verloren ihr Leben.
|